Schlangen in Rheinhessen und dem Naheland

Junge Würfelnatter | © Sascha Schleich
Junge Würfelnatter | © Sascha Schleich

Heimische Schlangen: schön und ungefährlich

Viele Menschen wissen nicht, dass die heimischen Schlangen völlig ungefährlich sind. Von den drei in Rheinland-Pfalz vorkommenden Schlangenarten (Ringelnatter, Schlingnatter und Würfelnatter) ist keine einzige giftig. Die Kreuzotter wurde in Rheinland-Pfalz trotz intensiver Suche noch nicht nachgewiesen.

 

Leider gibt es immer noch Menschen, die Angst vor Schlangen haben und die faszinierenden Tiere unrechtmäßig töten wollen. Die größere Gefahr für die heimischen Schlangen geht allerdings von der Zerstörung ihrer Lebensräume aus. Deshalb sind mittlerweile alle rheinland-pfälzischen Schlangen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten zu finden.

 

Schlangen sind wechselwarme Tiere. Ihre Körpertemperatur halten sie in einem Optimalbereich, indem sie je nach Bedarf Sonnen- und Schattenplätze aufsuchen. Zusätzlich können sie ihre Körperoberfläche gezielt vergrößern (Abflachen beim Sonnen) oder verkleinern (Aufrollen in kühler Umgebung), um den Wärmeaustausch mit der Umgebung zu beeinflussen. Zeiten ungünstiger Außenbedingungen (Mittagshitze, Winter) verbringen Schlangen in geschützten Quartieren.

Melden Sie uns Ihre Beobachtungen!

Schlangen sind heimliche Tiere, daher sind Beobachtungen oft zufällig und die aktuelle Verbreitung ist zum Teil nur lückenhaft dokumentiert. Deshalb rufen wir Sie zur Mitarbeit auf: Haben Sie in Rheinhessen- Nahe in den letzten Jahren eine Schlange gesehen, vielleicht sogar fotografiert? Dann wären wir dankbar, wenn Sie uns Ihre Beobachtung melden. Bitte geben Sie dabei Fundort und -datum an und fügen Sie einen Bildbeleg bei.

 

Die folgenden Artensteckbriefe helfen Ihnen beim Bestimmen und geben Auskunft über alle Schlangenarten in Rheinhessen und dem Naheland. Die Informationen können auch im praktischen Flyer-Format gedownloaded werden.

 

Schlangenarten in unserer Region

Oft verwechselt: Die Schlingnatter (Coronella austriaca)

Sie ist wohl die häufigste Schlangenart in Rheinland-Pfalz, doch Beobachtungen der scheuen Tiere sind selten, da sie perfekt getarnt und meist gut versteckt in der Vegetation sind. Wird sie doch einmal entdeckt, wird sie häufig zu Unrecht für eine giftige Kreuzotter gehalten.

Merkmale: Zierlich, meist nicht über 60 cm lang, glatte Schuppen. Kopf flach, klein und kaum abgesetzt, Augen klein mit runder Pupille und bräunlicher Iris. An den Kopfseiten je ein dunkelbrauner Streifen vom Nasenloch über das Auge bis zum Mundwinkel. Auf der Kopfoberseite ein herz- bzw. hufeisenförmiger dunkler Fleck („Krönchen“). Auf dem Rücken 1 bis 2 Reihen dunklerer Flecken, aber kein durchgehendes Zickzackband wie es Kreuzottern haben. Jedoch kann durch Bewegungen der Schlange ein solcher Eindruck entstehen.
Lebensraum: Südexponierte Hänge mit einzelnen Büschen, Geröllflächen, Weinbergsbrachen, Bahndämme und lichte Wälder.
Nahrung: Überwiegend andere Reptilien, aber auch Mäuse und andere Kleinsäuger.
Fortpflanzung: Jungtiere werden lebend geboren.
Besonderheiten: Beutetiere werden vor dem Verschlingen durch Umschlingen erstickt.

 

Augenbilder © Sascha Schleich | Kreuzotter (rechts) © Krysztof Wesolowski
Augenbilder © Sascha Schleich | Kreuzotter (rechts) © Krysztof Wesolowski

Den Fröschen auf der Spur: Die Ringelnatter (Natrix natrix)

Immer wieder werden dem NABU Beobachtungen von Ringelnattern aus Gärten gemeldet, meist solchen mit einem Teich. Dort holen sie sich vielleicht den einen oder anderen Goldfisch oder Frosch, stellen aber keine Gefahr für den Menschen dar.

Merkmale: Gesamtlänge bis zu 2 m, meist jedoch kaum über 1,2 m. Weibchen größer als die Männchen. Charakteristisch sind die beidseitigen hellgelben bis kräftig gelben Nackenflecken. Oberseite meist grau, teils auch bräunlich oder grünlich, selten schwarz. Oft mit 4 bis 6 Reihen kleiner schwarzer Flecken. Die Unterart N. n. helvetica (Barrenringelnatter) weist an den Körperseiten je eine Reihe quer gestellter Flecke auf. Rückenschuppen gekielt, Pupillen rund.
Lebensraum: Besiedelt bevorzugt Biotope in Gewässernähe, wie vegetationsreiche Fluss- und Seeufer, Feuchtwiesen, Moore und Sümpfe, aber auch aufgelassene Sand- und Kiesgruben sowie Steinbrüche. Hält sich gelegentlich an Gartenteichen auf, wird aber auch abseits von Gewässern immer wieder beobachtet.

Nahrung: Frösche, Kröten, Molche und deren Entwicklungsstadien, gelegentlich Mäuse und Fische.
Fortpflanzung: Das Gelege besteht aus bis zu 30 Eiern, die be-vorzugt in Laub-, Mist- oder Komposthaufen abgelegt werden.
Besonderheiten: Die Ringelnatter schwimmt und taucht ausgezeichnet. Sie sonnt sich lange im Uferbereich. Beim Ergreifen verspritzt sie ein stinkendes Sekret.

Geschickte Fischerin: Die Würfelnatter (Natrix tessellata)

Nur noch drei Vorkommen der Würfelnatter gibt es in Deutschland, alle in Rheinland-Pfalz. Das wohl größte liegt an der Nahe zwischen Bad Kreuznach und Bad Sobernheim.

Merkmale: Gesamtlänge bis zu 1,5 m, Weibchen meist größer als die Männchen. Mäßig schlank mit deutlich abgesetztem, bei adulten Tieren dreieckigen Kopf. Grundfarbe der Oberseite variiert in verschiedenen Grau-, Oliv- oder Brauntönen. Während der Kopf in der Regel ungefleckt bleibt, verlaufen 3 bis 5 Längsreihen dunkelgrauer, dunkelbrauner bis schwarzer Flecken an den Flanken und auf dem Rücken bis zur Schwanz-spitze. Rückenschuppen gekielt, Pupillen rund.
Lebensraum: Naturnahe Flussufer mit Kiesbänken und krautiger Vegetation, dazu ruhige Flachwasserbereiche mit hoher Sonneneinstrahlung sowie in Ufernähe Hänge mit spalten- reichen Felsen, Trockenmauern oder ähnlichem.
Nahrung: Ernährt sich überwiegend von Fischen verschiedener Arten. Die Beute wird unter Wasser durch aktive Jagd oder auflauern am Gewässergrund gefangen. Kleine Fische werden im Wasser verzehrt, größere an Land gebracht und im Bereich der Wasserlinie gefressen.
Fortpflanzung: Das Gelege besteht aus bis zu 30 Eiern, die bevorzugt in Haufen von angeschwemmtem Pflanzenmaterial abgelegt werden.
Besonderheiten: Die Würfelnatter kann ausgezeichnet schwimmen und tauchen und verbringt viel Zeit im flachen Wasser. Nur zum Sonnenbaden, zur Fortpflanzung und zur Überwinterung verlässt sie das Gewässer. Bei Bedrohung verspritzt die Würfelnatter ein übel riechendes Sekret.

Nur ein Nachbar? - Die Äskulapnatter (Zamenis longissimus)

Erwachsene (links) und junge Äskulapnatter (rechts)
Erwachsene (links) und junge Äskulapnatter (rechts)

Vorkommen der Äskulapnatter wurden bisher nur im Donautal bei Passau, an der unteren Salzach, im Rheingau-Taunus und im Neckar-Odenwald nachgewiesen. Doch gibt es vereinzelte Beobachtungen aus den Landkreisen Mainz-Bingen und Bad Kreuznach.

Merkmale: Gesamtlänge bis 2,2 m, meist jedoch um 1,5 m. Sehr langgestreckt und schlank, glattschuppig. Kopf schmal und wenig abgesetzt, Pupille rund. Die Oberseite kann verschiedene Braun-, Grau- oder Grüntöne aufweisen. Körper meist nicht gleichmäßig gefärbt, sondern zum Kopf hin heller. An den Körperseiten oft weiße Striche oder Streifen. Neben dem hellen Nackenfleck (Verwechslungsgefahr mit der Ringelnatter!) weisen viele Jungtiere auch einen dunklen Längsstreifen hinter den Augen auf.
Lebensraum: Sie lebt bevorzugt in lichten, sonnigen Laubwäldern, alten Steinbrüchen, Weinbergen, an Ruinen und steinigen, gebüschreichen Südhängen. Häufig in Wassernähe.
Nahrung: Kleinsäuger, Vögel und deren Eier. Große Beutetiere werden durch Umschlingen getötet.
Fortpflanzung: Die Eiablage erfolgt im Juli in feuchter Erde, in Pflanzenresten, unter Steinen oder in Mauerspalten sowie in alten Baumstümpfen. Dabei legt das Weibchen ein Gelege von 5 bis 10 langovalen Eiern ab, aus denen im September die Jungtiere schlüpfen.
Besonderheiten: Zur Nahrungssuche kann die Äskulapnatter durch Abspreizen ihrer Bauchschuppen sehr gut klettern, etwa auf Bäume. Trotzdem lebt sie vor allem am Boden sowie in niedrigem Gestrüpp. Sie bewegt sich dabei sehr flink und leise.

Schlange im Garten?

Paarung zweier Ringelnattern auf dem Kompost
Paarung zweier Ringelnattern auf dem Kompost
Eigelege einer Ringelnatter
Eigelege einer Ringelnatter

Gefahr besteht nicht. Am besten sollte man die streng geschützten Tiere in Ruhe lassen und sich freuen, sie beobachten zu können. Der NABU empfiehlt, Ringelnatter und Schlingnatter im Garten zu helfen. So kann man mit der Anlage von sonnigen Holz-, Stein- und Komposthaufen ideale Brutmöglichkeiten für Ringelnattern schaffen. Ein strukturreicher Garten mit Sträuchern, Gehölzen, alten Baumstümpfen und lückigen Steinhaufen bietet zudem viele Unterschlupfmöglichkeiten und Winterquartiere für die Schlangen.

Blindschleiche © Kerstin Kleinke
Blindschleiche © Kerstin Kleinke